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Tickst du noch richtig? Das weibliche Gehirn im Wechsel



Frauen sind anders. Das ist nicht wirklich neu, jedoch war mir lange nicht klar, in wie vielen Bereichen wir uns von unseren männlichen Mitstreitern unterstreichen. Das es aber auch unser Gehirn so massiv betrifft, war ein wichtiger Aha-Moment in der Gründung der Bloom Academy.

 

Warum?


Um das zu klären, werfen wir hier ein neues Licht auf das weibliche Gehirn, seine Veränderungen während der Wechseljahre und was diese Veränderungen für Folgen für unsere weibliche Longevity – die Jahrzehnte danach – haben kann.

 

Die subtilen Unterschiede, die zählen


Obwohl die Grundstruktur der Gehirne von Männern und Frauen identisch ist, zeigen sich in der Praxis einige bemerkenswerte Unterschiede. Frauen werden beispielsweise häufiger als Männer mit Angststörungen oder Depressionen diagnostiziert und leiden öfter unter Kopfschmerzen und Migräne. Und: Frauen haben ein höheres Risiko, an Alzheimer zu erkranken – der häufigsten Ursache für Demenz weltweit. Tatsächlich sind fast zwei Drittel der Alzheimer-Patienten Frauen. Da stellt sich die Frage: Liegt das am Alter oder an der Lebenserwartung, oder gibt es andere Gründe?



Die Rolle der Wechseljahre im Alterungsprozess des Gehirns

Ein Schlüsselfaktor, der das weibliche Gehirn von dem männlichen unterscheidet, ist das was die Wechseljahre, bzw. deren hormonelle Umstellungen nach sich ziehen.

Und hier kommt das Geschlechtshormon Östrogen ins Spiel: Bei uns Frauen beginnt der Östrogenspiegel, der unter anderem für die Energieproduktion im Gehirn von entscheidender Bedeutung ist, in der Lebensmitte zu sinken – ein Prozess, der tiefgreifende Auswirkungen auf die Gehirnalterung hat. Untersuchungen zeigen, dass dieser Rückgang der Östrogenspiegel auch zur Bildung der sogenannten Amyloid-Plaques beitragen kann, einem der Hauptmerkmale von Alzheimer.

 

Warum könnte man nun fragen – die Umstellung passiert doch in den Eierstöcken? Das stimmt zwar, aber das Gehirn steht in ständiger Interaktion mit dem Fortpflanzungssystem und bekommt daher unmittelbar die Veränderungen zu spüren. Unsere Geschlechtshormone, die in dieser Phase unseres Lebens nun immer weniger zur Verfügung stehen, haben im Gehirn zahlreiche Schutz und Regulierungsaufgaben, die sie nun zunehmend weniger erfüllen können.

 

Die körperlichen Manifestationen hormoneller Veränderungen


Die typischen Symptome wie Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Gedächtnislücken, Depressionen und Angstzustände haben also ihren Ursprung im Gehirn und sind direkte Folgen der hormonellen Umstellungen. Diese Erkenntnis hilft uns zu verstehen, dass die Menopause mehr als nur eine Phase der körperlichen Veränderung ist; sie ist auch eine Zeit signifikanter neurologischer Veränderungen.


Zu wenig Muskelmasse: Die unterschätzte Gefahr für das Gehirn

Muskeln spielen eine Schlüsselrolle bei der Regulation von Stoffwechselprozessen, die auch das Gehirn beeinflussen. Ein Mangel an Muskelmasse kann zu metabolischen Ungleichgewichten führen, die die Gehirngesundheit negativ beeinflussen. Zudem produzieren Muskeln bei Aktivität Proteine, die das Wachstum und die Reparatur von Neuronen unterstützen. Ohne ausreichende Muskelaktivität könnten diese schützenden Effekte vermindert sein, was das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen und neurodegenerative Erkrankungen erhöht.

Essenziell - Wasser für das Gehirn

 Wasser ist essenziell für die Funktion und Gesundheit des Gehirns, das zu etwa 75% aus Wasser besteht. Schon ein geringer Wasserverlust von 1-2% des Körpergewichts kann zu negativen Auswirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsproblemen und Vergesslichkeit führen. Wassermangel beeinträchtigt den Blutfluss und damit die Versorgung des Gehirns mit Nährstoffen und Sauerstoff, was zu verringerter geistiger Leistungsfähigkeit führt. Chronischer Wassermangel kann dauerhafte Schäden an Gehirnzellen verursachen und Symptome wie Müdigkeit, Erröten, Reizbarkeit, Angst, Mutlosigkeit und Niedergeschlagenheit auslösen.


Was passiert durch die Hormonumstellung im Kopf?


Der Hypothalamus beispielsweise ist für die Regulierung der Körpertemperatur zuständig. Wenn Östrogen den Hypothalamus nicht mehr richtig aktiviert, kann das Gehirn die Körpertemperatur nicht richtig regulieren. Hitzewallungen sind also vermutlich auf die die Irritation dieser Gehirnregionen durch schwankende Östrogenspiegel zurückzuführen. Oder nehmen wir das Stammhirn, das für Schlaf und Wachen zuständig ist. Wenn Östrogen den Hirnstamm nicht richtig aktiviert, kann das zu Schlafproblemen führen. Und wenn die Amygdala das emotionale Zentrum des Gehirns, von den Östrogenschwankungen betroffen ist, bekommen wir vielleicht Stimmungsschwankungen und vergessen Dinge.



2 von 3 Alzheimer Patienten sind Frauen

Die engagierte Professorin und Neurologin Lisa Mosconi hat in einer Studie nachgewiesen, dass sich erste Amyloid-Plaques im weiblichen Gehirn bereits mit Beginn der Wechseljahre bilden können. Männer mittleren Alters jedoch weisen kaum welche auf. Diese Daten legen nahe, dass diese Veränderung ebenfalls durch den Östrogenrückgang begünstigt werden kann.

Wichtig ist: Nicht alle Frauen entwickeln Plaques, und nicht alle Frauen mit Plaques entwickeln Alzheimer. Das Vorhandensein von Plaques ist jedoch ein Risikofaktor, der Jahrzehnte später zu dieser neurodegenerativen Erkrankung beitragen kann.

 

Die Menopause sorgt also dafür, dass die Wahrscheinlichkeit einer Alzheimererkrankung für eine 65-jährige Frau bei eins zu fünf liegt, für einen gleichaltrigen Mann aber nur bei eins zu elf.

 

Das weibliche Gehirn schützen und stärken


Wie können wir also unser Gehirn während dieser kritischen Zeit schützen und seine Gesundheit fördern? Obwohl Hormonersatztherapien einige Symptome lindern können, sind sie nicht für alle Frauen geeignet. Laut aktueller Studienlage werden sie derzeit nicht zur Prävention von Demenzerkrankungen empfohlen. Stattdessen können wir durch Anpassungen unseres Lebensstils, wie eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, ausreichend Schlaf und Stressmanagement, einen bedeutenden Unterschied machen.

 



Eine mediterrane Ernährung, reich an pflanzlichen Östrogenen, kann beispielsweise das Risiko für kognitiven Abbau, Depressionen, Herzkrankheiten und sogar Hitzewallungen verringern. Diese Diät, ergänzt durch Lebensmittel wie Leinsamen, Sesam und getrocknete Aprikosen, bietet nicht nur essenzielle Nährstoffe, sondern unterstützt auch die hormonelle Gesundheit durch die Bereitstellung von Phytoöstrogenen, die als mildes Östrogen im Körper wirken können.

 

Die Bedeutung von Stressmanagement

 

Ein weiterer entscheidender Aspekt ist das Management von Stress, da ein erhöhter Cortisolspiegel – das Hauptstresshormon – direkt mit einem Rückgang der Östrogenproduktion korreliert. Techniken zur Stressreduktion wie Meditation, Yoga oder einfach nur regelmäßige Spaziergänge in der Natur können helfen, das hormonelle Gleichgewicht zu bewahren und die allgemeine Gehirngesundheit zu verbessern.

 

Die gute Nachricht – das weibliche Gehirn bleibt trotzdem leistungsfähig

 

Unsere aktuellen Forschungen zeigen, dass das weibliche Gehirn eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Anpassung und Kompensation hat. Trotz der Herausforderungen, die mit der Menopause einhergehen, zeigen Studien, dass Frauen in kognitiven Tests weiterhin gut abschneiden, manchmal sogar besser als ihre männlichen Gegenstücke im gleichen Alter und Stadium der Erkrankung. Dies deutet darauf hin, dass das weibliche Gehirn Mechanismen entwickelt hat, um Effizienz und Funktionalität unter stressigen oder suboptimalen Bedingungen zu bewahren.

 

Fazit: Das weibliche Gehirn im Fokus

 

Die Forschung rund um das weibliche Gehirn steht noch in den Kinderschuhen, aber die Erkenntnisse, die wir bereits gewonnen haben, sind ein kraftvoller Beweis für die Notwendigkeit, die Gehirngesundheit von Frauen in den Vordergrund zu rücken. Indem wir die biologischen, hormonellen und neurologischen Veränderungen, die Frauen im Laufe ihres Lebens erleben, besser verstehen, können wir effektivere Strategien zur Unterstützung ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens entwickeln.

 

Das Ziel ist klar: Wir müssen die Gesundheit des Gehirns als integralen Bestandteil der Gesundheit der Frauen anerkennen und fördern. Indem wir die Wechseljahre nicht als Ende, sondern als neuen Anfang betrachten, können wir Frauen ermutigen, diese Zeit als Chance zu nutzen, um ihre körperliche und geistige Gesundheit zu priorisieren. Durch Bildung, Bewusstsein und Forschung können wir den Weg für ein gesünderes, erfüllteres Leben für Frauen überall ebnen.

 

Erstaunliche Fakten:

Das Gehirn eines Erwachsenen wiegt etwa 1,4 Kilogramm und besteht zu etwa 60% aus Fett

Das Gehirn besteht zu etwa 75% aus Wasser für den Transport von Nährstoffen, Hormonen und die Entfernung von Abfallstoffen

Es enthält rund 86 Milliarden Neuronen und verarbeitet täglich etwa 70.000 Gedanken

Die Blutgefäße im Gehirn erstrecken sich über fast 160.000 Kilometer


Was unser Gehirn negativ beeinflusst:

 

Zucker: Zu hoher Zuckerkonsum kann Entzündungsprozesse im Gehirn fördern, die kognitive Funktionen beeinträchtigen und zu einer Resistenz gegenüber Insulin im Gehirn führen, was das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen erhöht.

Bewegungsmangel: Längerfristiger Bewegungsmangel kann zu einer Reduktion der Neurogenese führen und das Risiko für die Entwicklung von psychischen und neurologischen Erkrankungen steigern.

Chronischer Stress: Lang anhaltender Stress kann die Struktur und Funktion des Gehirns verändern, was zu einer verringerten Gedächtnisleistung und einer höheren Anfälligkeit für psychische Störungen führen kann.

Umweltgifte: Die tägliche Exposition gegenüber Schadstoffen in Luft, Wasser und Nahrungsmitteln kann die neuronale Integrität beeinträchtigen und zu kognitiven Defiziten führen.

Sitzender Lebensstil: Sitzen ist das neue Rauchen... Ausgedehnte Sitzperioden können die Neurogenese hemmen und die Gehirnleistung beeinträchtigen, was das Risiko für die Entwicklung von Demenz erhöht.


Checkliste für die Gehirngesundheit:

Ausgewogene Ernährung: reich an Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffen und Antioxidantien.

Regelmäßige Bewegung: mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche.

Ausreichend Schlaf: 7-9 Stunden pro Nacht für eine optimale Gehirnfunktion.

Stressmanagement: Techniken wie Meditation und Achtsamkeit.

Geistige Stimulation: Lernen, Lesen und kreative Aktivitäten.

Soziale Interaktion: regelmäßiger Austausch mit der Familie und Freunden.


 

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